Das Nidam-al-Tayyibat-System teilt Lebensmittel in Häufigkeitszonen ein, während sich die Ernährungswissenschaft auf Studien mit Messwerten stützt. Beide Ansätze zu vergleichen bedeutet zu beobachten, wo das System mit den gängigen Empfehlungen übereinstimmt und wo es davon abweicht, ohne ein Urteil fällen zu wollen.
Was genau wird verglichen?

Das Nidam-al-Tayyibat-System, vorgestellt von dem ägyptischen Arzt Diaa Al-Awadi, teilt Lebensmittel in fünf Häufigkeitszonen ein: Grün (täglich), Gelb (täglich mit einem zu beachtenden Punkt), Orange (alle zwei Tage bis einmal pro Woche), Violett (sehr selten) und Rot (nie). Laut System beruht diese Einteilung nicht auf Zahlenwerten, sondern auf einer persönlichen Deutung der Wirkungen von Lebensmitteln. Einzelheiten zu den Zonen finden Sie unter Tayyibat-Lebensmittelzonen: Grün, Gelb, Orange, Violett, Rot.
Die Ernährungswissenschaft ihrerseits bewertet Lebensmittel anhand epidemiologischer Studien, klinischer Studien und empfohlener Nährstoffzufuhren. Die beiden Ansätze verwenden nicht dieselben Instrumente: Der eine ordnet nach qualitativen Häufigkeiten ein, der andere misst Zufuhren und Wirkungen. Ein direkter Vergleich bedeutet daher, zwei Deutungsraster einander gegenüberzustellen, ohne vorauszusetzen, dass sie gleichwertig sind oder dass das eine das andere widerlegt.
Welche Übereinstimmungen mit der Wissenschaft gibt es?
Mehrere Lebensmittel, die das System der Zone Grün zuordnet, erscheinen auch in gängigen Ernährungsempfehlungen, auch wenn die Begründungen unterschiedlich sind. Laut System ist Meeresfisch (vorzugsweise gegrillt) (Grün) täglich zugelassen, vorzugsweise gegrillt. Auch die konventionelle Ernährungswissenschaft erkennt den Nutzen von Fisch an, insbesondere wegen seiner Zufuhr an Proteinen und bestimmten Fettsäuren, ohne eine so strenge Zubereitungsart vorzuschreiben.
Olivenöl (Grün) liegt laut System in der Zone Grün; es wird auch in den von der Forschung beschriebenen Mittelmeerkostformen häufig verwendet. Kern- und Steinobst wie Apfel (Grün) oder Birne (Grün), laut System vorzugsweise geschält, gehört ebenfalls zu den häufig verzehrten Früchten. Ebenso sind warme Aufgüsse (Zimt, Anis, Kräutertees) (Grün) ohne Milch den ungesüßten Getränken ähnlich, die die meisten Ernährungsleitlinien akzeptieren.
Hier einige beobachtbare Übereinstimmungen:
- Gegrillter Meeresfisch, eingestuft als Grün, findet sich in vielen Ernährungsempfehlungen.
- Olivenöl, eingestuft als Grün, ist ein häufiges Lebensmittel der Mittelmeerkost.
- Geschälte Früchte wie Apfel oder Birne, eingestuft als Grün, sind weithin verzehrte Früchte.
- Warme Aufgüsse ohne Milch, eingestuft als Grün, sind allgemein akzeptierte zuckerfreie Getränke.
Diese Übereinstimmungen bedeuten nicht, dass sich die beiden Ansätze vollständig decken, aber sie zeigen, dass das System nicht alle Lebensmittel ausschließt, die die Wissenschaft als üblich betrachtet.
Welche Abweichungen weist das System gegenüber der Wissenschaft auf?

Die Abweichungen sind zahlreich und betreffen Lebensmittel, die die konventionelle Ernährungswissenschaft häufig einbezieht, während das System sie der Zone Rot zuordnet. Laut System werden Eier (Rot) ausgeschlossen, ebenso Hülsenfrüchte (Saubohnen, getrocknete Bohnen, Erbsen, Linsen, Kichererbsen) (Rot), Kuhmilch (Rot), Avocado (Rot) oder auch Hafer (Flocken, Brot, Teigwaren) (Rot).
Die konventionelle Ernährungswissenschaft betrachtet diese Lebensmittel nicht als an sich schädlich. Eier werden oft als Quelle vollständiger Proteine beschrieben; Hülsenfrüchte werden mit einer Zufuhr von Ballaststoffen und pflanzlichem Protein in Verbindung gebracht; Kuhmilch wird nach nationalen Empfehlungen als Kalziumquelle dargestellt, wobei die Einschätzungen unterschiedlich ausfallen. Diese Unterschiede werden hier nicht angeführt, um eine Entscheidung zu treffen, sondern um den Abstand zwischen den beiden Deutungsrastern zu verdeutlichen.
Weitere Abweichungen betreffen Lebensmittel, die das System in der Zone Grün zulässt, denen die Wissenschaft jedoch mit mehr Vorbehalten begegnet, wie weißer Zucker (Grün) oder Smen/Ghee (geklärte Butter) (Grün). Laut System sind diese Lebensmittel zugelassen, während die konventionelle Ernährungswissenschaft allgemein empfiehlt, ihren Verzehr einzuschränken. Auch hier handelt es sich um die Feststellung einer Abweichung, nicht um eine Bewertung.
Direkter Vergleich: Beispiele für Einstufungen
Die folgende Tabelle stellt einige Lebensmittel, ihre Zone laut System und die übliche Sichtweise der konventionellen Ernährungswissenschaft einander gegenüber. Es handelt sich nicht um eine Bestätigung, sondern um eine Veranschaulichung der Unterschiede.
| Lebensmittel (Link und Zone) | Sichtweise des Systems | Konventionelle Sichtweise |
|---|---|---|
| Meeresfisch (vorzugsweise gegrillt) (Grün) | Täglich zugelassen, vorzugsweise gegrillt. | Empfohlen wegen seiner Zufuhr an Proteinen und Fettsäuren, ohne eine so strenge Zubereitungsart. |
| Olivenöl (Grün) | Täglich zugelassen. | Häufig verwendetes Öl in der Mittelmeerkost. |
| Eier (Rot) | Ausgeschlossen. | Quelle vollständiger Proteine, oft in mäßiger Menge verzehrt. |
| Hülsenfrüchte (Saubohnen, getrocknete Bohnen, Erbsen, Linsen, Kichererbsen) (Rot) | Ausgeschlossen. | Reich an Ballaststoffen und pflanzlichem Protein, oft empfohlen. |
| Kuhmilch (Rot) | Ausgeschlossen. | Kalzium- und Proteinquelle, je nach nationalen Empfehlungen. |
Diese Tabelle veranschaulicht, dass das System und die Wissenschaft nicht bei allen Lebensmitteln voneinander abweichen, dass einige Einstufungen jedoch grundlegend verschieden sind. Die Lesart muss sachlich bleiben: Das System schließt bestimmte Lebensmittel aus, die Wissenschaft schließt sie nicht notwendigerweise aus.
Warum verzichtet das System auf Zahlen?

Laut System beruht die Einteilung in Zonen auf einer qualitativen Bewertung und nicht auf quantitativen Messwerten. Der Arzt Diaa Al-Awadi hat keine Tabellen zu Kalorien, Gramm pro Tag oder Makronährstoffanteilen veröffentlicht. Dieses Fehlen von Zahlen ist ein Merkmal des Systems, kein Versäumnis.
Die Ernährungswissenschaft stützt sich dagegen häufig auf quantitative Daten, um Empfehlungen aufzustellen. Dieser Unterschied erschwert direkte Vergleiche: Man kann eine Zoneneinstufung nicht einfach auf eine empfohlene Tageszufuhr übertragen. Laut System werden die Anhaltspunkte in Häufigkeiten und qualitativen Bedingungen ausgedrückt, etwa „gekocht“, „geschält“, „ohne Milch“ oder „vorzugsweise gegrillt“. Hier einige Beispiele für qualitative Bedingungen, die das System verwendet:
- Kürbis / Speisekürbis (Grün): gekocht.
- Apfel (Grün): vorzugsweise geschält.
- Kaffee (Grün): ohne Milch und ohne Kaffeeweißer.
- Aubergine (Orange): nur gekocht.
- Grüne Paprika (Orange): nur gefüllt und gekocht.
Diese Bedingungen ersetzen die Zahlenmengen. Das bedeutet nicht, dass das System keine Regeln hat, sondern dass die Regeln nicht in Gramm oder Kalorien ausgedrückt werden.
Häufige Fragen
Ist das Nidam-al-Tayyibat-System eine Abnehmdiät?
Laut System handelt es sich um eine Einteilung der Lebensmittel in Häufigkeitszonen, nicht um eine Abnehmdiät. Das System verspricht keinen Gewichtsverlust. Fragen zum Gewicht fallen in die Zuständigkeit einer medizinischen Fachkraft.
Validiert die Wissenschaft die Zonen des Systems?
Die Ernährungswissenschaft hat die Einteilung in fünf Zonen, wie sie das Nidam-al-Tayyibat-System darstellt, nicht validiert. Einige Lebensmittel, die der Zone Rot zugeordnet werden, gelten in der konventionellen Ernährungswissenschaft als akzeptabel, und umgekehrt. Der Vergleich bleibt beschreibend, ohne wissenschaftliche Schlussfolgerung.
Warum schließt das System Lebensmittel wie Eier und Hülsenfrüchte aus?
Laut System werden diese Lebensmittel der Zone Rot zugeordnet, weil sie nicht in sein Deutungsraster passen. Das System stützt diesen Ausschluss nicht auf messbare Studien. Die konventionelle Ernährungswissenschaft teilt diese Sichtweise nicht unbedingt.
Kann man das System und die Ernährungsempfehlungen gleichzeitig befolgen?
Die beiden Ansätze weichen bei mehreren Lebensmitteln voneinander ab, was ihre Kombination erschweren kann. Wer beides befolgen möchte, sollte die Listen vergleichen und eine medizinische Fachkraft hinzuziehen, um Mangelzustände oder Widersprüche zu vermeiden.
Erlaubt das System Zucker?
Ja, laut System ist weißer Zucker (Grün) in der Zone Grün zugelassen, mit einer Mengenbedingung, die das System qualitativ fasst. Die konventionelle Ernährungswissenschaft empfiehlt allgemein, zugesetzten Zucker einzuschränken. Dieser Punkt veranschaulicht eine deutliche Abweichung zwischen den beiden Ansätzen.
Wie kann man ohne Zahlen vergleichen?
Der Vergleich bezieht sich auf die qualitativen Einstufungen: Häufigkeitszonen auf der einen Seite, allgemeine Empfehlungen auf der anderen. Ohne Zahlenangaben lässt sich nicht sagen, dass eine Zone einer bestimmten Zufuhr entspricht. Man kann nur feststellen, ob ein Lebensmittel in dem jeweiligen Ansatz zugelassen, eingeschränkt oder ausgeschlossen ist.
Zum Weiterlesen
- Kritik am Nidam al-Tayyibat: die Debatte
- Die Ernährungsweise des ägyptischen Arztes: Von wem ist die Rede?
- Tayyibat-Lebensmittelzonen: Grün, Gelb, Orange, Violett, Rot
Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Die hier dargestellten Informationen vergleichen zwei Ansätze, ohne ihre Gültigkeit für eine bestimmte Person zu bewerten. Wer an einer chronischen Erkrankung oder einer Essstörung leidet, schwanger ist oder einen besonderen Nährstoffbedarf hat, sollte vor einer Ernährungsumstellung eine medizinische Fachkraft hinzuziehen.
